Eigentlich sollte ich wollen ...

 

…weniger sitzen und mich mehr bewegen.

  

Glauben sie, dass sie schneller und besser an ihr Ziel kommen, wenn sie sich anstrengen?

 

Anstrengung ist nicht das gleiche wie Kompetenz. Anstrengung erhöht nur die Spannung, nicht aber die Wirksamkeit von Koordination und Können. Auf Dauer wird sie zur Gewohnheit und entziehen sich der eigenen Wahrnehmung. Verspannungen und Beschwerden machen die Arbeit mühsam und die Freizeit ungemütlich.

 

Die Bewegungslektionen der Feldenkrais Methode zeigen ihnen, wie sie besser koordiniert überflüssige Anspannung lassen können.

 

Darüber hinaus lernt man, sich selbst zu spüren und die Aufmerksamkeit bei der Körperempfindung zu lassen. Dabei können um die Aufmerksamkeit konkurrierende Konflikte, wie z.B. „ich habe jetzt wirklich wichtigeres zu tun, als mein Bein zu spüren“ entstehen. Gedanken an Unerledigtes drängen sich in den Vordergrund. Wir (die Feldenkrais Methode) sagen nicht, dass diese Art zu denken falsch wäre, dass ich eigentlich „wollen sollte“. Wir laden sie ein, ihre Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung einzusetzen. Wahrnehmen, was man wirklich tut, hilft Gewohnheiten und Alternativen zu erkennen. Das ermöglicht uns, nicht nur Unterschiede kennenzulernen, sondern gibt uns auch die Freiheit die Gewohnheit oder den Unterschied zu wählen. Mit dem regelmäßigen Praktizieren wächst die Kraft, die Veränderung zu halten und zu kultivieren.

  

„Das Vergnügen, das die Wiederentdeckung der ursprünglichen Beweglichkeit begleitet, ist ein wirksames Gegenmittel gegen die Gewohnheit, die stets dazu neigt, diese Beweglichkeit zu verringern.“ Charles V.W. Brooks „Erleben durch die Sinne“

 

Warum sollte es nützlich sein, sich selbst zu spüren? Immerhin gibt es jede Menge wichtige andere Dinge zu erledigen. Was wir anfänglich als Konflikt erleben, muss kein Konflikt bleiben.

  

Die Feldenkrais Methode beschäftigt sich insbesondere mit dem Tastsinn, der Basis des Selbst Gefühls.

  

„Ohne den Tastsinn wüssten wir nicht einmal, dass wir existieren. Wir denken uns nicht selbst, sondern wir fühlen uns…. Unser Tastsinn hält im Hintergrund den Geist unseres Körpers zusammen.“ Martin Grunwald „Homo Haptikus“ S.10

  

Der Tastsinn ist für uns so selbstverständlich, dass er in unserer Wahrnehmung im Verhältnis zum Sehsinn kaum eine Rolle spielt. Wir merken es nicht mehr, dass wir unseren Körper in Bezug zur Schwerkraft organisieren. Das Praktizieren der Feldenkrais Methode stärkt und differenziert unser Selbst Gefühl. Moche Feldenkrais nennt es „das starke Selbst“.

  

Wenn man ein Anatomiebuch betrachtet, kann man verstehen, dass wir alle eine ähnliche biologische Grundausstattung haben und den Gesetzten der Physik unterworfen sind. Allerdings leben wir nicht als abstrakte Körper, sondern in Situationen, die Einfluss auf Körperhaltung, Atmung und Denken haben. Wir entwickeln individuelle, charakteristische Haltungs-, Bewegungs- und Anspannungsmuster. Diese Ausdrucksformen sind nicht immer das Ergebnis einer bewussten Wahl. Sie werden nicht einmal bemerkt, wohl aber die daraus resultierenden Beschwerden. Leider lassen sich diese Beschwerden nicht einfach so verändern, indem man sich bemüht, eine andere Körperhaltung einzunehmen. Man könnte fast sagen, wir haben vergessen, wie „ES geht“. Auch das Gefühl dafür, wie „ES sich anfühlt“ ist verloren gegangen.

  

Chronisch angespannte Muskulatur, die in einer bestimmten Körperhaltung zum Ausdruck kommt, reduziert die differenzierte Wahrnehmung für sich selbst. Im schlimmsten Fall kann ich mich selbst nur noch mit Verspannung oder Schmerzen wahrnehmen. Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle spalten sich sozusagen auf. Denken passiert, ohne dass ich ein Gefühl von mir selbst habe. Genau hier entsteht der Konflikt des „eigentlich sollte ich wollen“ und dem "ich habe Wichtigeres zu tun, als mein Bein zu spüren".

  

Gehen wir zurück zu dem Idealbild aus dem Anatomiebuch. Die Abbildungen vermitteln eine Vorstellung von dem, was vielleicht vergessen wurde. Vorstellungen sind wirkungsvoll, doch können sie den Menschen unverändert lassen. Nur Bilder anschauen ist kein Prozess, der Veränderung schafft. Es ist wie Filme anschauen. Es gilt die Vorstellung mit der Körperempfindung zu verbinden. Das Gefühl, dass „ES“ wirklich anders ist, kommt aus der Körperempfindung – das „eigentlich sollte ich wollen“ aus der Vorstellung. Die Vorstellung allein hat die Tendenz, dass Gedanken und Emotionen sich wiederholen. Dass sich das „wie ich eine Situation“ erlebe nicht verändert. Wir wünschen uns dann, dass die Situation als solche sich verändert.

  

Der Körper ist in einer Situation, die Situation ist im Körper.“ Gene Gendlin

  

Wie sich eine Situation im Körper repräsentiert können wir an der Art wie wir atmen, unserer Körperhaltung, der Art und der Vollständigkeit des eigenen, subjektiven Körperbildes und einem gesamtheitlichen Empfinden in Bauch und Brustraum (felt sense) erkennen. Diese Marker entziehen sich meist der bewussten Kontrolle, erzeugen aber das Gefühl, dass wir etwas erleben.

  

Erleben lässt sich nicht immer in Worte fassen. Die Focusing Methode hilft uns, diese somatischen Marker zu entschlüsseln, Verständnis und Sprache zu finden. Prozesse entwickeln sich weiter.

 

„Sprache, Körper und Situationen sind ein und dasselbe.“ G.Gendlin

  

Die Feldenkrais Methode hilft uns den Körper jenseits des Verstandes zu organisieren, sich selbst zu spüren und bewusst zu werden.